Orpheus stand Pate
Stimmungsvolles Konzert in der Kreuzkirche von Ludolf Baucke
Sehnsucht, Seufzer, Schmerz, aber auch Hoffnung, Liebe und Zärtlichkeit waren die Empfindungen, mit denen die Sopranistinnen Evelyn Tubb und Barbara Rotering die Gemüter der Zuhörer in der Kreuzkirche bewegten. Ob dabei in Vertonungen von Luigi Rossi, Claudio Monteverdi, Henry Purcell und vielen anderen Komponisten italienische oder englische Texte gesungen wurden, blieb fast nebensächlich: Die perfekt phrasierte Klangrede der frühbarocken Musik überhöhte die Sprache. Orpheus stand Pate, wenn die beiden Sängerinnen ihr Empfinden stilsicher in Klang verwandelten, erst also eine dissonante Reibung auskosteten und diese dann geschmackvoll in Wohlklang auflösten. |
Einmal bei Orpheus angelangt, rückte die Laute als Begleitinstrument des göttlichen Sängers ins Licht. Michael Fields spielte sie und das Schwesterinstrument Theorbe mit feinstem Gespür für lebendiges Pulsieren. Die beiden Singstimmen wurden durch die Lauteninstrumente und das Cembalo mit der vollkommen dem gesanglichen Duktus folgenden Ryoko Morooka eingerahmt. Um aber ein bloßes Standbild der Musikgeschichte zu vermeiden, griffen die Sängerinnen zu einem dramaturgisch effektvollen Trick: Sie wechselten ihre Positionen und wanderten zwischen den Stützinstrumenten. Das zugegebene Duett "Sound the trumpet" wurde von Evelyn Tubb sogar hinter dem begeisterten Publikum angestimmt. (HAZ - Kultur, 13.09.2011)
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